Donnerstag, 9. Februar 2012

Schadenersatz für 22 Jahre alte Pommes

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Lese ich doch gerade in der Web-Ausgabe der Aachener Zeitung, dass eine Frau gerne 2500 Euro für zwei 22 Jahre alte Pommes bezahlt hätte. Welch fürchterlicher Hunger muss sie da um den Verstand gebracht haben? Für das Geld hätte sie von mir eine ganze Schale frischer Fritten bekommen.
Aber nein, Hunger war es wohl gar nicht, da stecken wirtschaftliche Interesssen hinter. Die beiden Sticks waren vor 22 Jahren die Vorlage für das Projekt „Pommesd'or“ des Künstlers Stefan Bohnenberger. Zur Entstehung seines Kunstwerks sagte er:
„Ich bin zu McDonalds gegangen, habe mir eine Tüte Pommes gekauft,
mehrere Kreuze gelegt und dann eines ausgesucht für den Abdruck“
Ein solcher wurde auch angefertigt und im Anschluss daran hat Gießerei die Pommes in ordentlichem Zustand zurückgegeben. Sie waren auch auf der Ausstellung in der Gallerie zu bewundern und wurden sogar mit anderen Gegenständen für insgesamt 4.200 Euro angeboten, allerdings wollte die Dinger damals (1990) kein Mensch haben. Was nun im Laufe der Zeit mit den Fritten passierte, lässt sich nicht mehr klären, jedenfalls sind sie verschollen.
Wie das Leben so spielt, bot der Künstler diese beiden Pommes einer Kölner Sammlerin an.
 „Er hat uns das für 2500 Euro angeboten. Wir haben das
akzeptiert - weil alles ist teurer geworden.“
Ob die Frittensticks auch Kunst seien, wollte der Richter nicht klären, er urteilt hier wohl nach den Gesetzen der Marktwirtschaft: 
 „Einen Wert hat nur das, für das ein anderer bereit ist,
einen entsprechenden Preis zu zahlen.“
Entsprechend verurteilte der 23. Zivilsenat des Oberlandesgerichts München am heutigen Donnerstag die Kunstgalerie wegen Verletzung der Aufbewahrungspflicht für die verschollenen Pommes zur Zahlung von 2000 Euro Schadenersatz.

Wenn es nun nach den Gesetzen der Marktwirtschaft geht: Ich hab da noch ganz zufällig einen alten Schlüpper meiner Omma für 2.500 Euro anzubieten, den meine Tante verklüngelt hat. Welcher Schlüppersammler tut mir den Gefallen? Wir machen halbe-halbe.


Quellen: Aachener Zeitung     Monopol, Magazin für Kunst und Leben

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